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Ein Besuch in den Favelas in Rio 15.08.2014

Badminton gibt Hoffnung für die Kinder in den Rio Slums

Während den Brazil Open in Rio de Janeiro, nutzten meine Doppelpartnerin Charmaine Reid und ich die Gelegenheit, die Favela da Chacrinha zu besuchen und mit den Kindern Badminton zu spielen.

Die Favelas, auch als Armenviertel, Slums oder Elendsviertel bezeichnet, liegen meistens in den Randlagen der größeren Städte Brasiliens, dessen Name von einer brasilianischen Kletterpflanze kommt, welche den Namen Favela trägt. Ähnlich wie die Kletterpflanze siedeln sich die Armenviertel in Rio De Janeiro an den Bergen an und „klettern diese hoch“.

Rio ist bekannt für seine Favelas, von Armut geplagten Enklaven, von welchen einige von Drogenbossen geführt werden. Von Morden und Kriminalität geprägt, gibt das Leben in den Favelas den Kindern und Jugendlichen nur wenig Hoffnung auf eine aussichtsreiche Zukunft.

Vor einigen Jahren hatte ein Lehrer Namens Sebastiao de Oliveira die Vision, die Gesellschaft in der Favela da Chacrinha durch Sport zu verändern. So baute er direkt neben seinem Haus eine Badmintonhalle mit vier Feldern, in welcher wöchentlich zwischen 150-170 Kinder Badminton spielen. Sie tauften das Projekt Miratus, welches den Kindern die Chance gibt sich in den Favelas sportlich zu betätigen und gleichzeitig auch die Möglichkeit aus den armen Verhältnissen zu entfliehen.

Hinter Sebastiao’s Projekt steckt viel Arbeit und Liebe und vor allem zeigt es, wie Sport ein Werkzeug für soziale Entwicklung sein kann.

Im Alter von 7-18 Jahren lebte Sebastiao in einer Erziehungsanstalt und machte sich damals schon Sorgen um die Zukunft, da keiner etwas unternahm.
Zusammen mit seiner Frau und seinen Söhnen Ygor und Donnians, welche beide Badminton spielen, lebt er in einer spärlich eingerichteten, armseligen Wohnung direkt neben der Badmintonhalle, in welche er sein ganzes Leben und 70 Prozent seines Einkommens gesteckt hat. Eine Kombination aus Freizeitanlage, Gesellschafts- und Sporthalle. Er träumt von einem Computerraum, wo die Kinder Internetzugang haben, ihre Hausaufgaben und etwas Konstruktives machen können.

Sebastiao spielte Badminton in der Schule und wählte genau diesen Sport als „Beauftragter“ etwas zu verändern.

Seine Absicht ist nicht Badminton Champions zu entwickeln, sondern vielmehr strebt er danach den Kindern ein Leben in einer Gesellschaft zu bieten, in welcher sie sich wohlfühlen und Fähigkeiten erlernen können. Doch bei täglichem, intensivem Badmintontraining bleibt es nicht aus, dass sich das ein oder andere Talent entwickelt und den Sport als Ausweg aus den Favelas sieht.

Ein gutes Beispiel hierfür ist Ygor, der Sohn von Sebastiao. Er ist 17 Jahre alt, spielt täglich mehrere Stunden in der Halle seines Vaters Badminton und ist momentan bei den Youth Olympics in Nanjing im Einsatz, für welche er sich als einziger Brasilianer im Badminton qualifiziert hat. Wir spielten einige Sätze Doppel und er hat unheimliches Potential, ist sehr ehrgeizig und ausdauernd. Letzten Monat gewann er die Bronzemedaille bei einem International Series Turnier in Brasilien und sein großes Ziel ist es bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio dabei zu sein. Ich werde seinen sportlichen Weg verfolgen und wünsche ihm alles Gute für die Zukunft.
I
ch hatte auch das Vergnügen mit einem 9-jährigen Jungen Namens Pedro zu spielen, was mir unheimlich viel Freude bereitete. Er spielte barfuß auf dem Zementboden und bewegte sich so leichtfüßig, als wenn es die normalste Sache der Welt sei, ohne Schuhe zu spielen. Nach jedem Ballwechsel strahlte er mich mit seinen großen braunen Augen an und spielte voller Freude, als wenn es das Größte in seinem Leben sei. Ich fragte ihn, wie oft er Badminton spiele und er meinte täglich, allerdings erst am späten Nachmittag, da er Vormittags auf seinen 8 Monate alten Bruder aufpassen müsse, während seine Mutter arbeite.

Das Gute am Sport ist, dass die Kinder mit Erfolgserlebnissen konfrontiert werden und dadurch ihr Selbstwertgefühl enorm steigern können.

Und das schöne am Badmintonsport ist, dass man außer einem Schläger, einem Federball  und einem Netz nicht viel Platz und Geld braucht, und dass man es überall spielen kann.

Am Ende unseres Besuchs boten uns die 20 anwesenden Kinder eine Präsentation, welche ich fasziniert und mit Gänsehaut verfolgte. Die Kinder, einige davon waren barfuß, bewegten sich leichtfüßig zu Badmintonspezifischen Übungen, welche durch Brasilianische Musik begleitet wurden. Während der Übung, ahmten sie alle Badmintonschläge nach, Vor- und Rückhand, Ausfallschritte am Netz und Überkopfschläge. Zu guter Letzt durften wir sie bei einem Samba ähnlichen Tanz begleiten und jeder hatte eine Menge Spaß.

Zum Schluss gaben wir dem Trainer einen neuen adidas Schläger, welchen er in einem Spiel unter den Kindern, welche keinen eigenen Schläger besitzen, verloste. Das waren fast alle und ein 12-jähriges Mädchen war dann die stolze Gewinnerin und kann ab sofort mit ihrem eigenen Badmintonschläger zum Training kommen.

Es war jedenfalls ein unvergessliches Erlebnis und eine Erfahrung, die mir keiner mehr nehmen kann. Ich werde das Miratus Projekt mit viel Freude verfolgen und weiß jetzt schon, dass ich bei meinem nächsten Rio Besuch ganz sicher in die Favela da Chacrinha zurückkehren werde.

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