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Meine schönste Asientour mit einem traurigen Ende 13.08.02

Nach dem Uber-Cup Finale in Guanghzou im Mai war die Saison eigentlich beendet. Doch ich hatte bereits meine nächste Asientour fünf Wochen später geplant. Meine Planung sah so aus, dass ich zuerst Malaysia-Open spiele, danach plante ich für zwei Wochen zu meiner Freundin ins Trainingslager nach Jakarta zu fahren u. im Anschluss wollte ich noch zu den Taiwan-Open fliegen. Demnach machte ich nur eine Woche Pause u. begann dann wieder mit dem Training, da ich mich ja für die Turniere vorbereiten musste.  Nach meinen großartigen Erfolgen in den vergangenen Monaten fiel es mir auch überhaupt nicht schwer direkt wieder zu trainieren, da ich ein gutes Gefühl hatte u. sehr motiviert war. Manchmal zwickte es ein bisschen im Rücken, mal mehr mal weniger, doch ich ließ mich dadurch nicht vom Training abhalten. Ich trainierte vier Mal die Woche mit meinem indonesischen Trainer Bram Fernandin, war vier bis fünfmal in der Woche laufen u. machte viel Krafttraining. Man konnte sagen, dass ich gut für die Tour vorbereitet war.

Als wir in Malaysia ankamen stand auch schon gleich Training auf dem Programm. Ich fühlte mich ganz okay aber nicht wirklich gut, da ich zunehmend Schmerzen in meinem Rücken hatte. Ich versuchte nicht daran zu denken und trainierte zweimal pro Tag. Einige Tage später begann dann auch das Turnier u. ich hatte eine ziemlich schlechte Auslosung. Ich meine, es ist doch sehr unglücklich wenn 32 Spielerinnen am Start sind u. ich durfte gegen die an zwei gesetzte Hongkong Chinesin spielen. Aber das ist eben Sport, das eine Mal hat man eine gute Auslosung u. das andere Mal eine schlechte! Wie erwartet verlor ich sang- u. klanglos gegen die spätere Halbfinalistin. Ich war zu keinem Zeitpunkt in der Lage, meine Gegnerin ins Straucheln zu bringen. Das gleiche passierte im Damendoppel als ich mit Juliane Schenk, meiner neuen Doppelpartnerin, deutlich gegen die späteren Halbfinalistinnen Joanne Goode u. Gail Emms aus England verlor. Das Turnier war für mich frühzeitig beendet u. somit hatte ich Zeit mich um meine Rückenschmerzen zu kümmern. Ich bekam Behandlung u. als ich mich etwas besser fühlte trainierte ich auch schon wieder. Aber die Schmerzen waren immer noch da.

Nach meinem 1-wöchigen Aufenthalt in Malaysia ging es dann weiter nach Jakarta, wo ich meine Freundin Vita Marissa besuchte u. mich auf die Taiwan Open vorbereiten wollte. Als ich dort ankam war bereits alles von meiner Freundin organisiert u. ich fühlte mich wie im Paradies. Ich hatte vor Ort die Möglichkeit in einem Verein zu trainieren, wo ich für wenig Geld alles nutzen konnte (Organisiertes Hallentraining, Kraftraum, Laufband, Schwimmbad usw.). Das einzige, was mir in diesem Moment Sorgen bereitete war mein Rücken. Es begann von Tag zu Tag schlimmer zu werden u. in der zweiten Woche meines Aufenthaltes beschloss ich dann zusammen mit meinen Freunden Vita u. Carmen zu einem Arzt zu gehen. Es wurde eine Röntgenaufnahme von meinem Rücken gemacht u. wir alle waren sehr bestürzt als wir einen Punkt auf meiner Lunge sahen u. zwar genau an der Stelle, an welcher ich auch Schmerzen hatte. Da wir nicht wussten was es ist, meinte der Arzt, dass es wohl besser wäre nicht zum Turnier nach Taiwan sondern besser zurück nach Deutschland zu fliegen, um dies abzuklären. In diesem Moment hatte ich tierische Angst u. war traurig zugleich, da mir klar wurde, dass ich meine Tour abbrechen musste. Am nächsten Tag saß ich bereits im Flugzeug zurück nach Deutschland.

Als ich wieder zu Hause war ging ich selbstverständlich gleich zum Arzt. Dieser meinte, dass der Punkt auf der Lunge nichts mit meinen akuten Rückenschmerzen zu tun hätte. Er stellte fest, dass ich eine schlimme Blockierung in der Wirbelsäule hatte, dies aber durch Physiotherapie wieder in den Griff bekommen würde. Außerdem organisierte er für mich einen Termin beim Lungenfacharzt. Und da ich gerade da war fragte ich ihn, ob er mir eine Überweisung zum Hautarzt geben könnte, da sich bei mir ein Muttermal am unteren Rücken verändert hatte. Noch am gleichen Tag stellte ich mich beim Hautarzt vor u. als dieser das Muttermal sah, meinte er, dass es so schnell wie möglich raus müsse. Am nächsten Tag hatte ich dann auch schon meine Operation u. nach exakt einer Woche bekam ich das erschütternde Ergebnis, das ich einen bösartigen Tumor hatte!!!  Ich war völlig geschockt u. fing an zu Weinen. Ich dachte alles ist vorbei! Doch dann meinten die Ärzte, dass ich Glück im Unglück hatte, dass der Tumor noch nicht so tief eingedrungen war. Nach diesem Ergebnis musste ich mich allen möglichen Untersuchen stellen doch alle Befunde waren glücklicherweise negativ! Bei dem Punkt auf der Lunge handelte es sich um einen verkalkten Lymphknoten, der durch eine frühere Bronchitis entstand. Also nichts Dramatisches! Am 5.August muss ich noch einmal für ungefähr 10 Tage ins Krankenhaus, weil die Wunde noch mal aufgeschnitten u. aus Sicherheitsgründen noch etwas Gewebe entfernt werden muss.

Es vergeht kein Tag, an welchem ich nicht an diese Geschichte denken muss. Als ich in Jakarta den Punkt auf der Lunge sah dachte ich, dass es ein Tumor wäre. Aber das dieser dann schließlich nicht dort, sondern etwas tiefer war, ist doch unglaublich! Vielleicht sollte es ein Zeichen sein… Und all dies wurde nur herausgefunden, weil ich Rückenschmerzen hatte!!!

Auf diesem Wege möchte ich meiner Freundin Vita recht herzlich danken. In jenen Tagen, an denen ich in Jakarta war hat sie wirklich alles getan, um mir meinen Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Und schließlich war SIE es, die mich zum Arzt begleitet hat….

Es ist wirklich nicht einfach für mich zu realisieren, was in den vergangen Wochen passiert ist. Aber meine Familie, mein Freund u. alle meine Freunde ob hier oder auswärts geben mir die Kraft gegen all dies anzukämpfen.

Danke, dass Ihr für mich da seid! Ich hoffe, dass ich bald wieder gesund werde u. den Schläger wieder schwingen kann…

 

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