Termine
Bitburger Open in Saarbrücken 02.-07.12.03

Nach der Finalteilnahme bei den Scottish International in Glasgow fuhr ich eine Woche später voll motiviert zu den Bitburger Open nach Saarbrücken. Die Vorfreude auf dieses Turnier war groß, zumal Eurosport Übertragungen ankündigte, was für den deutschen Badmintonsport ein Novum bedeutete.

Meine erste Runde im Einzel gegen Ann-Marie Pedersen aus Dänemark durfte ich auf dem TV Court spielen, was für mich mit meinen 29 Jahren eine neue Erfahrung war. Dementsprechend nervös war ich zu Spielbeginn u. hinzu kam noch, dass ich mich nicht lange genug auf dem Feld aufwärmen konnte u. eine Ewigkeit brauchte bis ich endlich in die Gänge kam. Nach einem verkorksten ersten Satz, welchen ich mit 4-11 verlor, kämpfte ich mich im zweiten Satz ins Spiel u. nun gelang es mir auch meine Gegnerin durch hohes Tempo unter Druck zu setzen, was mir leider im ersten Satz nicht gelang u. dadurch Fehler ihrerseits  erzwang. Somit konnte ich den zweiten Satz mit 11-7 gewinnen u. es war wieder alles offen. Im dritten Satz knüpfte ich an die Leistung des zweiten Satzes an u. konnte die langen Ballwechsel für mich entscheiden, was mich sichtlich motivierte. Nach einem nervösen Start konnte ich das Spiel doch noch umbiegen u. freute mich über meinen Erstrundensieg gegen die Dänin, auch wenn ich weit unter meinem Leistungsniveau spielte. Doch im letzten halben Jahr absolvierte ich so viele weltklasse Spiele gegen Top Spielerinnen, die ich alle knapp verlor, dieses Mal spielte ich eben nicht so gut u. habe gewonnen. Aber ganz egal ob man gut oder schlecht spielt, am Ende zählt nur das eine u. das ist der Sieg!

Am nächsten Tag spielte ich gegen Marina Andrievskaja, die schwedische Nr.1 u. aktuelle Nr.18 der Weltrangliste, welche klar als Favoritin in dieses Spiel ging. Ich ging völlig locker u. entspannt auf das Feld, zumal ich ja nichts zu verlieren hatte u. absolvierte eines meiner besten Spiele überhaupt. Mit Sage u. Schreibe 11-0 konnte ich den ersten Satz gewinnen u. meine Gegnerin ganz schön schocken. Zu Beginn des zweiten Satzes geriet ich allerdings gleich mit 0-4 in Rückstand, doch es dauerte nicht lange, ehe ich mich wieder rankämpfen u. das Spiel wieder bestimmen konnte. Allerdings verlief dieser Satz viel ausgeglichener als der erste, doch beim Stande von 10-10 konnte ich mich absetzen u. das Spiel mit 13-10 gewinnen. Eine unglaubliche Leistung, die ich da vollbracht habe, denn gegen eine Weltklasse-Spielerin gewinnt man nicht alle Tage. Nun hatte ich also das Viertelfinale erreicht, wo ich auf die an eins gesetzte „Französin“ Pi Hongyang traf. Nach meiner guten Leistung im Achtelfinale ging ich voller Selbstvertrauen ins Spiel u. versuchte meiner Gegnerin durch mein offensives Spiel das Leben schwer zu machen. Auch wenn ich den ersten Satz mit 5-11 verlor, war dieser durch lange Ballwechsel geprägt u. ich konnte zuversichtlich in den zweiten Satz gehen. Dort gelang es mir doch tatsächlich mit 9-2 in Führung zu gehen, doch die Chinesin war so clever, stellte ihre Taktik um u. wartete bis ich Fehler machte. Der Vorsprung rieselte dahin u. ich konnte die Sensation, die ich bereits auf dem Schläger hatte, nicht verwirklichen. Ich verlor nach hoher Führung dann doch noch mit 9-11. Schade, und dabei hätte ich doch „nur“ noch zwei verflixte Punkte gebraucht… Nichts desto trotz war ich mit meiner Einzelleistung mehr als zufrieden u. konnte mich nun voll auf das Doppel konzentrieren.

Dort waren wir an zwei gesetzt u. hatten sowohl im Achtel- als auch im Viertelfinale keine große Mühe u. konnten unsere Spiele souverän gewinnen. Im Halbfinale kam es zur Wiederholung des Finales von Schottland. Während wir uns vor einer Woche im schottischen Glasgow knapp in drei Sätzen gegen die Japanerinnen geschlagen geben mussten, hofften wir auf Revanche. Einige Stunden zuvor schauten wir uns das Finale noch mal auf Video an u. überlegten dabei, was wir dieses Mal besser machen könnten. Und so konnten wir wie schon im letzten Aufeinandertreffen den ersten Satz mit 15-8 gewinnen. Erinnerungen an Glasgow kamen hoch, wo wir im zweiten Satz das Ruder aus der Hand gaben. Doch dieses Mal hielten wir unser offensives Spiel aufrecht u. standen perfekt in der Abwehr. Ich würde sagen, dass wir unseren Gegnerinnen in fast allen Bereichen überlegen waren u. verdient den zweiten Satz u. somit das Spiel gewonnen haben. Dies war auf jeden Fall eines unserer besten Spiele überhaupt, was uns viel Selbstvertrauen für die erneute Finalteilnahme geben sollte.

Am Finaltag trafen wir auf die an eins gesetzten Polinnen Augustyn/Kostioutchik, welche zu diesem Zeitpunkt punktgleich mit uns in der Weltrangliste auf Platz 17 standen. Wir gingen sehr konzentriert an diese schwierige Aufgabe heran u. spielten so weiter wie wir im Halbfinale gegen die Japanerinnen aufgehört haben. Lange Ballwechsel, offensives Spiel u. ein gutes Abwehrverhalten prägten erneut unser Spiel u. so konnten wir nach hartem Kampf den ersten Satz 15-9 für uns entscheiden. Es tat erstmal gut einen Satz in der Tasche zu haben, doch nach 10-6 Führung im zweiten Satz, gab es bei uns plötzlich Abstimmungsschwierigkeiten u. die Polinnen machten einige leichte u. schnelle Punkte, was sie sichtbar aufbaute. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt eine kleine Schwächephase u. spielte hauptsächlich bei der Aufschlagannahme dumme, für den Gegner zu einfache Bälle, was Juliane ziemlich verunsicherte. So gaben wir den Satz 10-15 ab u. es gab einen alles entscheidenden dritten Satz. Nachdem es vom Bundestrainer in der Pause eine kleine Standpauke gab, waren wir zu Beginn eigentlich klar, gingen wieder über lange Ballwechsel, doch dieses Mal hatten die Polinnen das bessere Ende für sich. Sie machten einen Punkt nach dem anderen u. beim Stande von 3-8 wurden die Seiten gewechselt. Beim Stande von 3-10 war der Turniersieg bereits in weite Ferne gerückt, u. wenn ich ganz ehrlich bin glaubte ich auch nicht mehr daran, doch wie so oft im Badminton wendete sich das Spiel zu unseren Gunsten. Nachdem die Polin den 11. Punkt bereits auf dem Schläger hatte, sie aber nicht den Ball sondern das Netz traf, woraufhin der Schiedsrichter auf Fehler entschied, kam plötzlich die Wende. Von nun ab konzentrierte ich mich nur noch auf mich, nahm überhaupt nichts  mehr wahr, schaute meine Gegnerin nicht mehr an u. machte mit meinen langen überraschenden Aufschlägen plötzlich einen Punkt nach dem anderen. Erst beim Stande von 10-10 hatten die Polinnen wieder Aufschlag u. machten auch prompt zwei Punkte. Doch ich hatte ein gutes Gefühl u. wusste, dass wir durch Einsatz u. Siegeswillen das Spiel noch gewinnen können. Und tatsächlich wirkten wir in der Endphase selbstsicherer als unsere Gegner u. nach 90 Minuten gingen wir mit einem 15-12 als Sieger vom Feld. Ich konnte es nicht glauben u. ließ meinem Jubel u. meinen Tränen freien Lauf. Es war ein unheimlich schönes Gefühl nach solch hartem Kampf u. solch hohem Rückstand das Spiel doch noch umgebogen u. gewonnen zu haben. Ich war so richtig stolz auf uns u. freute mich über meinen zweiten Turniersieg in diesem Jahr. Fotos vom Turnier findet ihr unter der Rubrik 'Fotos'!

Bereits in vier Tagen stehen die Irish International auf dem Programm, wo wir hoffentlich  unsere Finalteilnahme vom letzten Jahr wiederholen können. Ob uns das geglückt ist, könnt ihr in Kürze erfahren. Ich freue mich auf euren Besuch!

 

Eure Nicole    

 

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